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Presseinformationen der Aktionskonferenz Nordsee e.V.
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Die Rückkehr der Flussneunaugen, 22.05.2004



Ostsee Lachs mit Dioxin verseucht, Dänemark verbietet Lachsfang, 07.04.2004



Sondergutachten Meeresumweltschutz, Eine Ohrfeige für nationale und europäische Umweltpolitik, 10.02.2004


Wesertunnel - Nein Danke!, 20.01.2004


Giftfässer in der Nordsee kein Einzelfall, 08.01.2004

   


Presseinformation vom 14.12.2004

Zwei Milliarden für jedes zehnte Schiff

Umweltverbände legen Forderungskatalog für ein nationales Hafenkonzept vor

Hamburg, 14.12.2004 Elbvertiefung, Weservertiefung, Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven und Hafenausbau in Bremerhaven: In Norddeutschland findet derzeit ein Wettlauf der Hafenstandorte um die Containerschiffe der Zukunft statt. Bei aller Konkurrenz haben die Ausbauten eines gemeinsam: Die Kosten trägt im Wesentlichen der Steuerzahler - rund zwei Milliarden Euro für Maßnahmen, die auch langfristig nur jedes zehnte Schiff betreffen.

Die Umweltverbände Aktionskonferenz Nordsee (AKN), BUND, Rettet die Elbe und der WWF fordern deshalb eine grundsätzliche Abkehr von der Kirchturmpolitik der Hafenstandorte - nicht nur wegen der hohen Kosten, sondern auch wegen der verheerenden Auswirkun-gen auf die Ökosysteme der Flüsse und der Küsten. "Die Strombaumaßnahmen an der Unterelbe haben seit 1962 zu einem Rückgang der Vorlandflächen um mehr als 70 Prozent geführt. An der Weser sind in den letzten 100 Jahren fast 80 Prozent der Flachwasserzonen verloren gegangen", sagen die Verbände.

Sie unterstützen deshalb die Forderung von Bundesumweltminister Jürgen Trittin nach einem nationalen Hafenkonzept, das die Seehäfen auf eine ökologisch und ökonomisch sinnvolle Arbeitsteilung festlegen soll. Zusammen legten sie einen umfassenden Forderungskatalog vor, der Grundlage eines solchen Konzepts sein müsse. Dazu gehört eine umfassende Analyse, die sowohl die ökologischen Fakten beinhaltet, als auch die Entwicklung des Schiffsverkehrs und die hoch subventionierten Rahmenbedingungen für die Hafenwirtschaft.

Den Bundeswirtschaftsminister und den Bundesverkehrsminister forderten die Verbände auf, das Vorhaben des Umweltministers zu stützen und schon aus Eigeninteresse ein Hafenkonzept aus einem Guss vorzulegen. Nur so könne sich die Bundesregierung gegen die Standort-egoismen der Bundesländer und der Hafenstandorte durchsetzen.

Für die Verbände steht außerdem im Vordergrund, dass sowohl die Öffentlichkeit als auch die Umweltorganisationen an der Erstellung des Hafenkonzepts beteiligt und vorab keine weiteren Fakten geschaffen werden. "Bis zur Fertigstellung des Hafenkonzepts dürfen keine weiteren Genehmigungen für Hafen- oder Flussausbauten erteilt werden", so die Verbandssprecher

Download: "Ein zukunftsfähiges Hafenkonzept (nicht nur) für die deutsche Nordseeküste"

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:
Nadja Ziebarth, Aktionskonferenz Nordsee e.V., Tel: 0421-77675
Paul Schmid, BUND, Tel. 040-600 387 12
Herbert Nix, Rettet die Elbe, Tel. 040-39 30 01
Uwe Johannsen, WWF, Tel: 0421-65846-19


Presseinformation vom 27.08.2004

CD-ROM "Die Nordsee - Eine interaktive Reise rund um das Meer"
Aktualisierte und erweiterte Neuauflage

Bremen 27.08.2004. Fünf Jahre nach dem ersten Erscheinen der erfolgreichen CD-ROM "Die Nordsee - Eine interaktive Reise rund um das Meer" hat die Aktionskonferenz Nordsee e.V. im Selbstverlag jetzt eine aktualisierte und erweiterte Neufassung aufgelegt.

Auf der CD-ROM werden Informationen über Nordsee und Wattenmeer, ihre Schönheit und Bedrohung in Multimedia-Aufarbeitung zeitgemäß, unterhaltsam und verständlich vermittelt: Einen Leuchtturm puzzeln, Vogelstimmen spielerisch erkennen oder mal eben eine Spielanleitung für den Strand oder eine Bastelanleitung für eine Möwe ausdrucken. Das sind nur einige Überraschungen, die Menschen zwischen 10 und 99 auf der CD-ROM finden. Die Umwelt kennen lernen, sich mit den Gefährdungen auseinanderzusetzen, um sich dann für den Schutz der Natur zu engagieren.

Um die Attraktivität der CD-ROM für Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene zu steigern, wurden für die Neuauflage weitere Videos und Spiele entwickelt. Zusätzlich kommen noch weitere neue Kapitel hinzu: Die "Hansekogge" bietet Einblicke in die Zeit der Hanse, das "Felswatt" vermittelt das Leben an der Küste Helgolands und "Kulinarisches" bietet Originalrezepte von der Nordseeküste. Die bestehenden Kapitel wurden ergänzt um neue Inhalte, aber auch um die neusten Daten rund um die Nordsee. Wie schon in der ersten Auflage können die Tiere und Pflanzen, die Geschichte des Meeres, der Landschaft und ihrer Besiedlung sowie Nutzungskonflikte auf multimediale Weise kennen gelernt werden.

Die CD "Die Nordsee - Eine interaktive Reise rund um das Meer" ist sowohl für den privaten Gebrauch als auch für die Nutzung im Schulunterricht konzipiert. Ihr Ziel ist es, Kindern und Erwachsenen die Umwelt näher zu bringen, auf Gefährdungen hinzuweisen, um sie dann für den Schutz der Natur zu motivieren.

Rezensionsexemplar
Wir möchten Ihnen anbieten, eine Rezension über die neue Auflage der "Nordsee" CD-ROM zu schreiben. Auf Anfragen senden wir Ihnen gerne ein Exemplar zur Rezension zu und bitten um Übersendung der Veröffentlichung.

Vorlagen für Anzeigen können Sie hier runterladen: hochkant und querformat

Für Rücksprachen wenden Sie sich bitte an: Aktionskonferenz Nordsee e.V., Nadja Ziebarth, Tel: 0421 / 77675


Presseinformation vom 16.08.2004

Flammschutzmittel im Lachs bleibt weiterhin erlaubt
AKN kritisiert halbherziges EU-Verbot bromierter Flammschutzmittel und fordert Verschärfung der geplanten EU-Chemikalienpolitik

Bremen / Brüssel, 16.08.2004: Am Sonntag ist das EU-weite Vermarktungsverbot für zwei besonders gefährliche Chemikalien in Kraft getreten. Es handelt sich dabei um bromierte Flammschutzmittel penta-BDE und octa-BDE aus der Gruppe der polybromierten Diphenylether (PBDE). Das dritte weltweit eingesetzte Flammschutzmittel aus dieser Stoffgruppe, deca-BDE, der kommerziell wichtigste Vertreter, darf hingegen weiterhin in Alltagsprodukten wie Elektronikgeräten und Textilien eingesetzt werden. Und dies, obwohl Wissenschaftler erst vorige Woche bekannt gegeben haben, dass in Lachsproben aus der ganzen Welt PBDEs gefunden wurden, inklusive der Abbauprodukte von deca-BDE.
"Es ist unverantwortlich, dass die EU deca-BDE weiterhin erlaubt. Substanzen wie diese, die wir in unserem Blut finden und die im Verdacht stehen, die Gehirnentwicklung von Kindern zu schädigen, dürfen nicht weiter verwendet werden! Alternativen sind vorhanden, viele Unternehmen haben mittlerweile umgestellt, doch die EU sieht keinen Bedarf für ein Verbot, das ist nicht zu fassen." kommentiert Nadja Ziebarth, von der Aktionskonferenz Nordsee (AKN) und ergänzt: "Deca-BDE zerfällt nämlich in die beiden nun verbotenen Stoffe. Das ist, als ob man die Haustür abschließt und die Hintertür weit offen lassen würde."
Polybromierte Diphenylether werden in Kunststoffe oder Polsterbezüge eingearbeitet und kommen in Fernsehern, Computern und Möbeln zum Einsatz. Sie gelangen über die Innenraumluft sowie über fettreiche Nahrung wie z.B. Fisch in den menschlichen Organismus. Diese Verbindungen sind extrem langlebig (persistent) und reichern sich in Lebewesen an. Wissenschaftliche Untersuchungen haben eine Verdoppelung der Konzentration in einem Zeitraum von 5 Jahren festgestellt. Penta- und octa-BDE wurden insbesondere aufgrund ihres Vorkommens in Muttermilch und möglicher schädigender Wirkung auf Säuglinge verboten.
"Dies ist ein weiteres Beispiel für die Notwendigkeit eines neuen, effektiven EU-Chemikaliengesetzes. Chemikalien müssen endlich vor ihrem weit verbreiteten Einsatz auf Unbedenklichkeit geprüft werden. Derartige Problemstoffe wie deca-BDE haben in unseren Haushalten und auf unserem Teller nichts zu suchen." so Nadja Ziebarth.
Im Herbst werden die Diskussionen um die neue EU-Chemikalienpolitik REACH (Registration, Evaluation, Authorisation of Chemicals) wieder aufgenommen. Die AKN fordert eine Verstärkung des gegenwärtigen Entwurfs, insbesondere des Zulassungsverfahrens, damit Unternehmen verpflichtet werden, besonders gefährliche Stoffe durch ungefährlichere zu ersetzen.

Für Rücksprachen wenden Sie sich bitte an: Aktionskonferenz Nordsee e.V., Nadja Ziebarth, Tel: 0421 / 77675


Presseinformation vom 14.05.2004

Zu kurz gesprungen beim Tiefwasserhafen
Umweltverbände fordern übergreifende Umweltprüfung und Gesamtkonzept


Norddeutschland, 14.05.2004. Nach einer ersten Durchsicht der Planunterlagen für den JadeWeserPort zeigen sich die Umweltverbände AKN, BUND, LBU Niedersachsen, Rettet die Elbe und WWF entsetzt: Die Wasser- und Schifffahrtsdirektion Nordwest hat insgesamt 12 Ordner verschickt, aber die wichtigsten Fragen werden darin nicht behandelt. Sie wurden durch Verfahrenstricks außen vor gelassen oder ungenügend bearbeitet: Da wurde z.B. der Voßlapper Groden in den Unterlagen bewusst ignoriert, obwohl er inoffiziell längst in die Hafenplanungen einbezogen ist. Die Umweltverbände haben im vergangenen Jahr eine EU-Beschwerde gegen die Bebauung des Voßlapper Grodens eingereicht, der sich zu einem wertvollen Lebensraum seltener Vögel entwickelt hat und als EU-Vogelschutzgebiet ausgewiesen werden müsste. "Auf der Basis dieser Planunterlagen können die Umweltauswirkungen des Vorhabens nicht korrekt beurteilt werden, hier wird klassische Salamitaktik versucht" sagt ein Sprecher der Verbände.
Die Mängelliste der Umweltverbände ist lang: So wurden die Veränderungen der Gezeitenströme in der Jade entgegen den behördlichen Vorgaben nur mit veralteten Modellen berechnet, die Untersuchungen der Auswirkungen des Hafens auf den Nationalpark Wattenmeer lückenhaft durchgeführt und das erhöhte Verkehrsaufkommen von täglich über 1800 zusätzlichen LKW nicht ausreichend berücksichtigt. Die flächendeckende Verlärmung bis weit in den Stadtteil Voslapp hinein wird kleingerechnet. Es fehlt auch eine schlüssige Kosten-Nutzen-Analyse. Die Umweltverbände vergeben die Note "Mangelhaft" für die Hafenplanung. "Hier muss noch erheblich nachgearbeitet werden", fordern die Verbände.
Als wesentliche Voraussetzung für jede Hafenplanung fordern die Verbände den Bund und die Küstenländer auf, endlich ein schlüssiges Gesamtkonzept für ihre hafenbezogenen Investitionen an der deutschen Nordseeküste vorzulegen, bevor weiter Millionenbeträge aus Steuergeldern in zweifelhafte Projekte investiert werden. Der Wettbewerb der Hafenstandorte ist längst zu einer Konkurrenz um Subventionen geworden. Während Reedereien und Hafenbetreiber standortübergreifend zusammenarbeiten, spielen sich die Hafenstandorte noch immer gegeneinander aus. Der geplante gleichzeitige Ausbau der Containerhäfen in Hamburg und Bremerhaven sowie der zusätzliche Hafenneubau in Wilhelmshaven würden an der deutschen Nordseeküste große Überkapazitäten schaffen. Außerdem steht in den Sternen, ob die veranschlagte Fahrwassertiefe überhaupt jemals benötigt wird.
"Dieser Unsinn zerstört unwiederbringlich wertvolle Lebensräume im Wattenmeer und in den Flussmündungen, dabei könnten z.B. ältere bestehende Hafenanlagen modernisiert werden, ohne dass dafür Natur zerstört werden muss" so eine Sprecherin der Verbände.


Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an:
Aktionskonferenz Nordsee e.V., Nadja Ziebarth, Tel. 0174-94 42 71 2
BUND, Dr. Marita Wudtke, Tel. 0511-965 69-18
Förderkreis «Rettet die Elbe», Hamburg, Herbert Nix, Tel. 040-87 00 73 67
LBU, Andreas Bieg, Tel.: 0511 368 1520
WWF, Uwe Johannsen, Tel. 0421 65846-19


Presseinformation vom 22.05.2004

Die Rückkehr der Flussneunaugen

Bremen, 22.05.2004. So man neun Augen hat, kann sie alle reiben, denn nach Jahrzehnten geringer Bestandszahlen kann man zur Aufstiegszeit wieder mit vielen wanderwilligen Tieren in der Bremer Weser rechnen.

Keiner würde heute auf die Idee kommen, Flussneunaugen fischen zu wollen. Zum einen sind sie ganzjährig geschützt, zum anderen ist ihre frühere wirtschaftliche Bedeutung inzwischen vergessen. Sie haben eine wechselvolle Geschichte hinter sich und sind ein gutes Beispiel dafür, dass es Sinn macht und Erfolg versprechend ist, auf die biologische Vielfalt unserer Erde zu achten.

Den Flussneunaugen ging es ähnlich wie vielen anderen Arten, die in unseren Flüssen durch den Ausbau zur Schifffahrtsstraße, Wehrbauten und Verschlechterung der Wasserqualität stark zurückgedrängt wurden. Es waren mit der Zeit so wenig Exemplare, dass die Art in die "Rote Liste Bremen" aufgenommen und als stark gefährdet eingestuft wurde. In den letzten Jahren wird auch genauer auf die Art geachtet, weil sie als eine sogenannte FFH-Art (Flora-Fauna-Habitatrichtlinie) ein wichtiger Fund für die Ausweisung von Schutzgebieten in Europa ist. Diese Richtlinie verpflichtet die EU-Mitgliedsländer zum Schutz wildlebender Pflanzen und Tiere und zum Erhalt wichtiger Lebensräume. In Deutschland wird zur Zeit heftig darum gestritten.

Aus dem Leben von Lampetra fluviatilis, genannt Flussneunaugen
Vielleicht legen sie Wert darauf, nicht Fisch genannt zu werden. Wenn sie auch aalähnlich wirken, gehören sie zu der primitiven Wirbeltiergruppe der Rundmäuler. Als solches steigen sie im Herbst aus der Nordsee zum Beispiel in die Weser und ihre Nebenflüsse auf, um dort - wo möglich - in kiesigen und sandigen Bereichen im Frühjahr abzulaichen. Die aus den Eiern geschlüpften Larven (genannt Querder) graben sich für 3 bis 4 Jahre in das Sediment ein und entwickeln sich in der Zeit zu Flussneunaugen. In diesem "hohen" Alter ziehen sie Richtung Meer und ernähren sich dort von Fischfleisch und Fischblut, in dem sie sich mit ihrem Rundmaul am Körper ihrer Beute festsaugen. Nach einem Aufenthalt von 15 bis 20 Monaten stellen sie ihre Nahrungsaufnahme für immer ein und beginnen den Laichaufstieg in die Weser, Elbe oder Ems.

Flussneunauge: Lampetra fluviatilis


Und wo sind die ganzen Augen?
Sie tun leider nur so als wären sie welche. Beidseitig besitzen die Neunaugen ein Auge, sieben Kiemenöffnungen und eine zentral vor den Augen gelegene Nasenöffnung. Ihr grünbrauner Körper kann bis zu einer Länge von 45 cm anwachsen. Wichtiges Merkmal ist das mit Hornzähnen ausgestattete Rundmaul.

Fast kann man schon sagen, eine der wenigen Erfolgsgeschichten bei der Rückkehr von stark dezimierten Artenbeständen, denn die Funde der Flussneunaugen am Bremer Weserwehr sind vielversprechend. Der langsame Rückgang der Schadstoffbelastungen und die Umgestaltung der Fischaufstiegsanlage können dazu beigetragen haben. Trotzdem sind noch gewaltige Veränderungen an unseren Fließgewässern nötig, damit auch die anderen ?Ausgewanderten? wie Lachs oder Stör sich bei uns wieder heimisch fühlen und am Tag der biologischen Vielfalt viele Erfolge zu feiern sind.


Aus Anlass des "Internationalen Tages der biologischen Vielfalt" möchte das Bremer Wasserforum auf das Ökosystem Weser aufmerksam machen, denn die biologische Vielfalt eines Flusssystems spiegelt den Zustand eines Flusses wieder.

Das Bremer Wasserforum setzt sich zusammen aus den Umweltverbänden: Aktionskonferenz Nordsee, BUND, biz (Bremer Informationszentrum für Menschenrechte und Entwicklung), BORDA (Bremer Arbeitsgemeinschaft für Überseeeforschung und Entwicklung) und ROBIN WOOD


Presseinformation vom 25.02.2004
Ostsee Lachs mit Dioxin verseucht
Dänemark verbietet Lachsfang
Bremen, den 7.04.2004. In Dänemark ist seit Anfang April die Anlandung von Lachsen aus der Ostsee verboten. Untersuchungen ergaben, dass der Dioxingehalt der Fische bis zu 60% über dem erlaubtem EU-weit gültigen Grenzwert liegt. Das Lachsfangverbot für dänische Fischer schließt die gesamte Ostsee ein. "Die Aktionskonferenz Nordsee warnt daher vor dem Verzehr von Lachsen aus der Ostsee," so Nadja Ziebarth Sprecherin des Umweltverbandes Aktionskonferenz Nordsee (AKN).
Deutschland hat bisher keinen Lachsfangverbot für die Ostsee ausgesprochen, obwohl Dänemark vorsorglich die gesamte Ostsee für ihre Fischer sperrt hat. Die deutschen Fischer fangen Ihren Lachs zwar in der weniger belasteten westlichen Ostsee, aber das schützt nicht davor, dass stark mit Dioxin belasteter Lachs in Deutschland in den Handel kommen könnte. "Es muss für die VerbraucherInnen sicher gestellt werden, dass sie keinen Lachs auf dem Tisch haben, der ihre Gesundheit gefährdet," so AKN Sprecherin Nadja Ziebarth.
Können wir sicher sein, dass in Deutschland angelandeter Lachs unter dem Grenzwert liegt? Welche Dioxinwerte befinden sich im Lachs, der im deutschen Fischhandel angeboten wird? Diese Fragen müssen dringend in der Öffentlichkeit geklärt werden. Die Verbraucher und Verbraucherinnen wollen sich darauf verlassen, weitgehend unbelasteten Fisch kaufen zu können.
Der Verzehr von belasteten Lachsen kann durch die Anreichung von Dioxin im Körper zu Gesundheitsschäden (Hauterkrankung, Leberschäden, Immunschwächung und Krebs) führen. Vor allem Babys sind gefährdet und können durch die Anreicherung in der Muttermilch belastet werden. Eine akute gesundheitliche Gefährdung durch den Verzehr von Ostseelachsen besteht jedoch nicht.
Dioxine sind Verbindungen anthropogenen Ursprungs. Sie werden als unerwünschte Verunreinigungen im Spurenbereich bei einer Vielzahl industrieller Prozesse gebildet. Die Chlorchemie ist derzeit nur noch in geringem Maß an Neueinträgen in die Umwelt beteiligt, gilt aber als wichtiger Verursacher von Altlasten im Sediment der Flüsse und Ostsee. Heute tragen vor allem unvollständige Verbrennungen in Anwesenheit von Chlorquellen zur Belastung der Umwelt bei. Die Dioxinumweltbelastung entsteht durch die Metallerzeugung- und verarbeitung (Anteil ca. 80%), die Abfallverbrennung, die Industrie- und Gewerbefeuerungen und die Hausbrandfeuerstätten. Aus umweltmedizinischer Sicht ist die Anreicherung über die Nahrungskette von größter Bedeutung. Besonders in Milch, Fleisch, Eiern und Fischen sowie daraus hergestellten Produkten, können hohe Konzentrationen gefunden werden.

Für Rücksprachen wenden Sie sich bitte an:
Aktionskonferenz Nordsee e.V., Nadja Ziebarth, Tel: 0421 / 77675


Presseinformation vom 25.02.2004

Suche nach Giftfässern in der Nordsee eingestellt

Bremen, den 25.02.2004. Die Suche nach den 63 Giftfässern, die im Dezember zusammen mit drei Containern vor der niederländischen Küste vom Frachter "Andinet" in die Nordsee gefallen sind, wurde jetzt ergebnislos abgebrochen. Die niederländische Küstenwache sieht keinen Sinn mehr darin, die Suche fortzusetzen. In den 100-Liter-Fässern des Frachters "Andinet" wurde das hochgiftige Holzschutzmittel "CCA" transportiert, ein Gemisch aus Arsen, Kupfer und Chrom.
Die 3 Container mit insgesamt über 600 Fässern waren bereits im Laufe des Januar gehoben worden. Wo die über Bord gegangenen einzelnen Giftfässer sind, weiß immer noch keiner genau. Auch nicht, ob sie schwimmen oder auf Grund gesunken sind. Sicher ist nur, dass die Suche eingestellt wurde. Darüber, ob die Fässer inzwischen leer sind oder irgendwo am Meeresgrund festliegen, gibt es verschiedene Spekulationen.
"Selbst nach vorsichtigen Schätzungen ist davon auszugehen, dass mindestens 5000 Liter der Giftmischung bereits bei den Bergungsarbeiten ausgetreten sind. Und durch die Fässer, die jetzt langsam durchrosten, kommen weitere 6000 Liter dazu," so Nadja Ziebarth von der Aktionskonferenz Nordsee. "Das Drama am Meeresgrund geht also weiter und es gibt unseres Erachtens keinen Grund zur Beruhigung."
Die niederländische Regierung bleibt weiterhin bei ihren Fischfangverbot. Für die deutsche Küste wird nicht von einer direkten Gefahr ausgegangen. Man setzt auf eine ausreichende Verdünnung. Auch wenn die Schwermetalle natürliche Hintergrundwerte haben, ist es prinzipiell nicht auszuschließen, dass es zu einer Anreicherung in Muscheln und Fischen kommt.

Hintergrundinformation: Der Hauptinhaltsstoff von "CCA", Arsenpentoxid, ist bei der EU als krebserzeugende Chemikalie (Klasse 1) eingestuft und wurde über die letzten Jahre immer weiter in seiner Anwendung eingeschränkt. Seit Dezember 2003 ist er europaweit für alle Anwendungen mit Verbraucherkontakt verboten, darf aber noch u.a. für Konstruktionen im Straßenbau eingesetzt werden.
Die Ladung des Frachters "Andinet" ging in Antwerpen an Bord, ihr Ziel war Äthiopien.

Für Rücksprachen wenden Sie sich bitte an:
Aktionskonferenz Nordsee e.V., Nadja Ziebarth, Tel: 0421 / 77675


Presseinformation vom 10.02.2004

Sondergutachten Meeresumweltschutz
Eine Ohrfeige für nationale und europäische Umweltpolitik

Bremen, 10.02.2004. Der "Rat von Sachverständigen für Umweltfragen" (SRU) überreicht heute Umweltminister Trittin seine Studie "Meeresumweltschutz für Nord- und Ostsee". Als eine deutliche Ohrfeige für die deutsche und europäische Umweltpolitik bezeichnet die "Aktionskonferenz Nordsee" (AKN) das neue Sondergutachten des Umweltrates. Das Gutachten listet für die vergangenen 24 Jahre trotz aller eingestandenen Fortschritte viele Defizite und neue Risiken im Meeresumweltschutz auf, die weder Klaus Töpfer noch Angela Merkel noch Jürgen Trittin als UmweltministerIn der letzten Jahrzehnte verhindert haben. AKN sieht sich durch das Gutachten in seiner Arbeit bestätigt und begrüßt viele der positiven Ansätze.
Das aktuelle Meeresschutz-Gutachten des Umweltrates ist das zweite seiner Art. Bereits 1980 hatte das selbe Gremium in herausragend kritischer Weise den Zustand des Meeres analysiert. Dieses Gutachten hatte den Anstoß gegeben zur ersten Internationalen Nordseeschutz-Konferenz (INK) der Anrainerstaaten 1984 in Bremen. Es war damit auch Anlass für die Gründung der AKN, damals ein loses Bündnis von VertreterInnen aller deutschen und etlicher europäischer Umwelt- und Naturschutzverbände.
1980 hatte der damalige Umweltrat die ökologische Situation der Nordsee mit der plakativen Formel "Fünf Minuten vor Zwölf" beschrieben. 24 Jahre später kann das Wissenschaftler-Gremium zwar feststellen, dass etliche Schadstoff- und Nährstoffeinträge "teilweise deutlich" vermindert worden seien. Viele bisherige Einleitungen seien aber nicht abbaubar und würden auch künftig mess- und sichtbare Schadwirkungen verursachen. Um so bedenklicher ist es, dass die Experten zugleich vor weiteren und vor allem neuen erheblichen Risiken für Nord- und Ostsee warnen.
Der SRU benennt dafür zwei Ursachen:
- Die anhaltenden Vollzugsdefizite hinsichtlich bereits –zum Teil lange – festgelegter Regeln zur Senkung schädlicher Einträge oder zur Minderung von Zugriffen auf die Meeresressourcen in Landwirtschaft, Fischerei, Tourismus, Marikultur und Schiffsverkehr.
- Immer neue und immer extensivere Zugriffe auf die Meere und ihre natürlichen Gegebenheiten, z.B. in der Intensivfischerei und der Schifffahrt, sowie bei Eingriffen der Rohstoffindustrie und der geplante Windenergienutzung.
"Die Analyse verdeutliche", so AKN-Sprecherin Ziebarth in einer ersten Bilanz des neuen SRU-Gutachtens, "dass sich in den letzten 24 Jahren an der Haltung von Politik und Wirtschaft im Umgang mit den Meeren nichts grundsätzlich geändert hat. Wirtschaftliche Motive wiegen offensichtlich immer noch schwerer als ökologische Bedenken. Bundesregierung und EU sind Lichtjahre von einem umweltverträglichen Umgang mit Nord- und Ostsee entfernt." Die AKN-Sprecherin fordert deshalb, die Ausbeutung der Meere radikal zu drosseln und ihre herausragende einzigartige Bedeutung für Natur, Mensch und Klima zu würdigen.
AKN fordert die Bundesregierung auf, das SRU-Gutachten als dringende Handlungsempfehlung auf zu fassen und den Meeresschutz in der nationalen wie europäischen Politik voran zu treiben.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:
Nadja Ziebarth, Aktionskonferenz Nordsee e.V., 0421- 77675

Das Gutachten ist zu erhalten unter http://www.umweltrat.de/



Presseinformation vom 20.01.2004

Wesertunnel - Nein Danke!

Bremen, den 20.01.2004 Heute eröffnet Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe den Wesertunnel Dedesdorf-Kleinensiel südlich von Bremerhaven. Der Umweltverein Aktionskonferenz Nordsee beurteilt diese Verbindung, die schon seit den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts geplant ist, als ebenso umstritten wie überflüssig Die Eröffnung des Wesertunnels zerstört die existierenden Fährverbindungen, d.h. bis zum Sommer 2004 werden knapp 70 Fährleute ihre Jobs verlieren, danach sollen nur noch sieben Arbeitsplätze auf der Linie Sandstedt-Brake erhalten bleiben.
Weiterhin ist der Wesertunnel ein strukturpolitisch falsches Signal, da er die Unterweserregion zur Brummi-Transitstrecke macht. Lokalpolitiker und regionale Presse ("Nordsee-Zeitung") werden nicht müde, den Tunnel mit der Parole "Aufschwung" zu verknüpfen. Dabei hat es bis heute links und rechts der Tunneltrasse trotz fast sechsjähriger Bauzeit der beiden Röhren nicht eine einzige neue Wirtschafts-Ansiedlung gegeben - und bei den wenigen Interessenten handelt es sich lediglich um Umsiedlungen von anderen regionalen Standorten. Stattdessen haben etwa Rotterdamer Hafenplaner frühzeitig ihre Freude über den Tunnel geäußert, weil er ihre Zu- und Ablaufverkehre von und nach Skandinavien oder Osteuropa beschleunige.
Zum dritten ist zu befürchten, dass die Weserregion im Bereich der Tourismuswirtschaft geschwächt wird durch das Transit-Wachstum, das den Bürgerinnen und Bürgern nur Lärm, Dreck und Abgase beschert: Fahrradtouristen, die heute gerne und häufig die Unterweser links- und rechtsseitig befahren und bislang mit den Fähren von hüben nach drüben wechseln konnten, gucken künftig im wahrsten Sinne des Wortes "in die Röhre", weil sie ihn nicht benutzen dürfen.
Der Wesertunnel ist ein völlig überproportioniertes Projekt mit geschönten Bedarfsberechnungen. Erst mit einer ominösen Aufstockung der prognostizierten Beförderungszahlen von rund 7500 auf etwa 23.000 Pkw- und Lkw-Passagen täglich konnte das Projekt seinerzeit im Bundesverkehrswegeplan so hoch eingestuft werden, dass ihm "vordringlicher Bedarf" zuerkannt wurde. Zum Vergleich: Die beiden tunnelnahen Unterweserfähren kommen heute auf einen Tagesschnitt von weniger als 5000, alle sechs Unterweserfähren zusammen erreichten 1996 einen Tagesschnitt von rund 12.000 Fahrzeugen. Damit sich der mehrere hundert Millionen Euro teure Tunnel trotzdem "rechnet", fordern die Tunnel-Protagonisten wieder und wieder eine Küstenautobahn, die als A 22 ab einer noch zu bauenden Elbequerung die A 20 bis nach Wilhelmshaven, Ostfriesland und Holland verlängern soll.
Die Menschen und Initiativen in der Unterweserregion haben es nicht geschafft, den Bau des Wesertunnels zu verhindern. Jetzt liegt es an den Menschen und Initiativen im Unterelberaum, den Bau der dort geplanten Flussquerung zu blockieren. Mit einem deutlichen "Nein zur Küstenautobahn!" unterstützt die Aktionskonferenz Nordsee e.V. die GegnerInnen der geplante Unterelbequerung.
Weitere Informationen unter http://www.waterkant.info


Presseinformation vom 08.01.2004

Giftfässer in der Nordsee sind kein Einzelfall

Bremen, den 08.01.2004. Gestern wurde vor der holländischen Insel Texel mit der Bergung von drei Giftcontainer begonnen, die der Frachter "Andinet" verloren hatte. Kurz vor Weihnachten hatte ein Sturm die 3 Container zusammen mit 63 weiteren Giftfässern auf der Reise von Antwerpen nach Bremen vor der niederländischen Küste von Deck des Schiffes der äthiopischen Staatsreederei in die Nordsee gewaschen. Kein Einzelfall, wie die Aktionskonferenz Nordsee (AKN) weiß. Jährlich verschwinden auf See durch Seeschlag nach Schätzung von Lloyd's weltweit 10.000 Container mit unterschiedlichstem Inhalt ins Meer,. Der Umweltverband warnt vor den Gefahren, die in den Containern lauern und fordert bessere Sicherheitsmaßnahmen.
Für gefährliche Güter sollte eine bessere Ladungssicherheit bestehen. Das beginnt schon an Land, wo die Container gepackt werden und setzt sich an Deck eines Schiffes fort. Wegen eines Restrisikos vom sogenannten Seeschlag sollte über eine Mengenbegrenzung an Bord nachgedacht werden. D.h. ein Schiff darf nur eine bestimmte Menge an gefährlichem Gut aufnehmen, um beim Seeschlag oder einer Kollision die Verschmutzung des Ökosystems zu begrenzen.
In den 100 Liter Fässern des Frachters "Andinet" wurde das Pestizid CCA (Chrom/Kupfer/Arsen-Verbindung) transportiert. Ein Gemisch aus Arsen, Kupfer und Chrom, dass hochgiftig ist und als Holzschutzmittel eingesetzt wurde. Wo die 63 über Bord gegangen einzelnen Giftfässer sind, weiß keiner genau. Auch nicht, ob sie schwimmen oder auf Grund gesunken sind.
Das Pestizid CCA ist seit Dezember 2003 europaweit für Verbraucher verboten worden.. Es darf nicht mehr mit ihnen in Kontakt gelangen und nur noch in Einzelfällen, z.B. im Straßenbau eingesetzt werden. Die Ladung des Frachters "Andinet" ging in Antwerpen an Bord, ihr Ziel war Äthiopien. "Neben der Meeresverschmutzung ist der weitere politische Skandal, dass ein in Europa verbotenes Gift weiterhin in sogenannte Drittweltländer exportiert werden darf", kritisiert Nadja Ziebarth von der Aktionskonferenz Nordsee. Derart gefahrenträchtige Stoffe sollten weltweit verboten und durch Alternativen ersetzt werden.

Der Umweltverein Aktionskonferenz Nordsee e.V. fordert:
- Eine verbesserte Ladungssicherheit von Gefahrengütern
- Mengenbegrenzung von gefährlichen Stoffe beim Transport
- Container mit Gefahrengut müssen mit Sendern ausgestattet werden, die im Unglücksfall eine bessere Ortung und Bergung ermöglichen
- Giftstoffe, sollten gänzlich in der EU verboten und nicht exportiert werden.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:
Nadja Ziebarth, Aktionskonferenz Nordsee e.V., 0421- 77675