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Programm der Tagung
Schulwettbewerb
Die Bremer Charta
18 Jahre nach Beginn einer international abgestimmten Nordseeschutzpolitik hat sich weder für das Meer als hochsensibles Ökosystem noch für seine Küstenregionen Entscheidendes getan.
Noch immer haben Nutzungsinteressen überall Vorrang vor wirksamen Schutzkonzepten. In immer weiteren Bereichen überträgt die Politik aktives Handeln auf die Wirtschaft und gibt damit Regulierungskompetenz und Kontrolle an sie ab.
Von all ihren vereinbarten Zielen haben die bislang vier Internationalen Nordseeschutzkonferenzen (INK) nichts Wesentliches erreicht - dabei waren diese Ziele oft spärlich genug: Weder Vorsorge- noch Verursacherprinzip sind Grundlage politischen Handelns.
Für die Teilnehmenden an der Tagung NORDSEE-VISIONEN ergeben sich aus dieser Bilanz folgende konkrete Forderungen an die fünfte INK:
- Für die gesamte Nordsee muss eine Raumordnungsplanung durchgeführt werden, um einen Ausgleich zwischen den einzelnen Nutzungs- und Schutzansprüchen zu erzielen.
- Vor sechs Jahren hat die INK beschlossen, bis zum Jahr 2020 den Eintrag aller gefährlichen Stoffe in die Nordsee auf Null zu bringen. Obwohl dieses so genannte Esbjerg-Ziel mittlerweile von anderen internationalen Gremien bestätigt worden ist, sind bis heute keine Schritte zur Umsetzung erkennbar: Nicht einmal eine umfassende Bewertung der Unmengen heute am Markt gehandelten Chemikalien hat begonnen. So wird das Esbjerg-Ziel für die europäische Nordseeschutzpolitik zum Dreh- und Angelpunkt und muss sowohl in der neuen EU Chemikalienpolitik als auch bei der Revision der Pestizidrichtlinie angemessen verankert werden.
- Die Nährstoffbelastung der Nordsee ist umgehend zu verringern durch breite Förderkonzepte für den ökologischen Landbau. Stickstoffhaltiger Dünger und Importfutter sind durch Abgaben drastisch zu verteuern, um ihren umweltschädlichen Einsatz zurück zu drängen.
- Ziel einer zukünftigen Fischereipolitik muss eine an ökologischen Qualitätskriterien ausgerichtete Fischerei sein (Prinzip der Nachhaltigkeit), die sich an die Bedingungen des Ökosystems anpassen muss. Dazu gehört beispielsweise, 25 Prozent der Fläche der Nordsee als marine Schutzgebiete auszuweisen sowie das Verbot besonders schädlicher Fischereipraktiken.
- Alle Aktivitäten an Flüssen und in Küstenregionen wirken direkt auch auf die Nordsee: Probleme durch Flussvertiefungen, Hafenbau, Industrie-ansiedlungen, Verkehrsstruktur und vieles andere mehr werden aber von den Umweltministern der INK als ressortfremd bislang nicht zur Kenntnis genommen. Beispielsweise würde ein sinnvolles europäisches Hafenkonzept Hafenneu- und -ausbau überflüssig machen sowie weitere Fluss-vertiefungen oder zunehmende Baggergutmengen vermeiden.
- Unabdingbar ist die sofortige Ratifizierung aller vorhandenen internationalen Umweltschutzvereinbarungen für die Schifffahrt und ihre sofortige Inkraftsetzung für den Bereich der Nordsee. Alle Fragen des Seetransports müssen Bestandteil des "Kyoto-Protokolls" zum Klimaschutz werden. Darüber hinaus muss sofort mit dem Bau umwelt- und sozialverträglicher Schiffe mit bestverfügbarer Technik begonnen werden. Solche "Schiffe mit Zukunft" müssen zum Standard auf allen Weltmeeren werden. In der Schifffahrt sollen Rückstandsöle durch an Land übliche Treibstoffe ersetzt werden.
- Angesichts der aktuellen Bestrebungen, große Teile der Nordsee mit Windkraftanlagen bisher ungekannter Menge und Größe zuzupflastern, muss die INK dafür Sorge tragen, dass vor jedem Baubeginn die Risiken für Meeresumwelt, Vogelzug und Schiffssicherheit untersucht und beachtet werden. Durch die gegenwärtigen Giga-Windkraft-Pläne wird das Gebot des Energiesparens diskreditiert. Wir brauchen dringend ein Gesamtkonzept für Quellen und Struktur der künftigen Energieversorgung und des Verbrauchs.
Dies sind nur wenige, zentrale Forderungen unseres Kataloges zur Verwirklichung einer Vision von einer Nordsee, deren natürlicher Reichtum nicht mehr bloßer Ausbeutung geopfert wird. Wir fordern die Minister der INK auf, diesen Katalog jetzt umzusetzen - und wir appellieren an alle gesellschaftlichen Gruppen, für den dafür notwendigen Druck zu sorgen.
Forderungen der Arbeitsgruppen
Fischerei
Gefährliche Stoffe
Offshore Tätigkeiten
Nährstoffe
Küstenzonen Management
Schifffahrt
Fischerei
Vision
Fisch ist ein hochwertiges Nahrungsmittel und hat für viele Küstengemeinden eine hohe wirtschaftliche Bedeutung, deshalb muss der Fischfang in der Nordsee eine sichere Zukunft haben. Dies geht aber nur, wenn die Meeresökosysteme gesund sind. Dafür muss spätestens bis 2020 die Fischerei bestands-, umwelt- und naturschonend ausgeübt werden.
Dies bedeutet:
- es gibt keine Überfischung und die Flottengröße orientiert sich an der Bestandserhaltung.
- Arten und Lebensräume werden durch die Fischerei nicht bedroht.
- die Natur hat Raum, sich ungestört zu entwickeln.
- Fisch wird nur noch für den menschlichen Verzehr gefangen.
- Verbraucher können bestands- und umweltschonend gefischte Produkte an einem Umweltsiegel erkennen.
- Fischer, Natur- und Umweltschützer, Verbraucherschützer, Forscher und verantwortliche Politiker treffen in enger Kooperation Entscheidungen des Fischereimanagements.
Forderungen
- Ziel einer zukünftigen Fischereipolitik muss eine an ökologischen Qualitätskriterien ausgerichtete Fischerei sein (Prinzip der Nachhaltigkeit), die sich an die Bedingungen des Ökosystems anpassen muss. Dies bedeutet, dass
- das Fischereimanagement sich am Vorsorgeansatz orientiert und zwar nicht nur für die Zielarten, sondern dass das gesamte Ökosystem berücksichtigt wird (Ökosystemansatz).
- die Fangkapazitäten und der Fischereiaufwand so weit reduziert werden, dass sie den vorhandenen Fischbeständen angepasst werden, jeweils in Abhängigkeit von der Schädlichkeit der einzelnen Fischereien für das Ökosystem.
- die Beifänge von marinen Säugern, Meeresvögeln und anderen Arten ( u.a. Haie, Rochen, Benthos) minimiert werden durch erhöhte Selektivität sowie die Verwendung alternativer Fangmethoden.
- Obergrenzen für Beifänge festgelegt werden (z.B. < 1% des Schweinswalbestandes). Bei Erreichen dieser Grenzen müssen die entsprechenden Fischereien eingestellt werden. Alle Beifänge müssen angelandet werden, Rückwürfe sind zu verbieten.
- marine Schutzgebiete zum Schutz von Benthoshabitaten und langlebigen Meeresorganismen mit geringen Vermehrungsraten eingerichtet werden. (25 % der Fläche der Nordsee).
- eine Raumplanung für die gesamte Nordsee durchgeführt wird, um einen Ausgleich zwischen den einzelnen Nutzungs- und Schutzansprüchen zu erzielen.
- jede Fischerei belegen muss, dass sie umweltverträglich durchzuführen ist (Umweltverträglich-keitsprüfung) und besonders schädliche Fischereipraktiken, wie z.B. die Baumkurrenfischerei, verboten werden.
- schädliche Subventionen, wie z.B. für Neubauten und Modernisierungen, abgebaut werden und nur die Fischereien gefördert werden, die bestandsschonend und umweltfreundlich arbeiten.
- das Fischereimanagement langfristige Ziele mit konkreten Zeitplänen zu deren Erreichung definieren muss. Indikatoren zur Überprüfung müssen festgelegt werden (adaptives Management).
- die Fischerei ausreichend kontrolliert wird, sowie nordseeweit einheitliche und wirkungsvolle Sanktion verhängt werden.
- eine verstärkte Fischereiforschung, besonders über die Umweltauswirkungen und deren Verringerung (z.B. Selektivität) gefördert wird.
- wirkungsvolle Rettungspläne für bedrohte und zusammengebrochene Fischbestände umgehend und ohne weitere Verzögerung umgesetzt werden.
- die Gammelfischerei verboten, die Verwertung von Fischabfällen dagegen gefördert wird; Schlachtabfälle dürfen nicht über Bord gegeben werden.
- Aquakulturen nur ohne Medikamente, Pestizide und mit artgerechter Bestandsdichte praktizieren. In der Aquakultur gehaltene Individuen dürfen nicht in die Umwelt entkommen, da sie häufig genetisch stark verändert, Hybriden oder aber Fremdarten sind. Züchtung und Einsatz genmanipulierter Arten (GVO) ist grundsätzlich abzulehnen. Die Fischmast darf nicht zu einer zusätzlichen Belastung des Meeres durch den Fang von Futterfischen führen.
Gefährliche Stoffe
Der Eintrag gefährlicher Stoffe aus Produkten und Produktionsprozessen in die Nordsee soll bis zum Jahr 2020 auf Null reduziert werden. Nur so können schädliche Wirkungen mit hinreichender Sicherheit vermieden werden und die noch naturnahen Bereiche des Meeres in ihrer natürlichen Stoffzusammensetzung als Eigenwert erhalten bleiben. Gefährlich für die Nordsee sind insbesondere schwer abbaubare, bioakkumulierende Stoffe, weil sich ihre möglichen Effekte auf Meeresorganismen kaum vorher sagen lassen. Aber auch Stoffe, die in großen Mengen und weit verbreitet angewendet werden, können problematisch sein, selbst wenn sie nicht persistent und nur mäßig bioakkumulierend sind. Das gilt zum Beispiel für eine ganze Reihe hormonähnlich wirkender Industriechemikalien.
Insgesamt muss das Esbjerg Ziel für alle Chemikalien gelten, das heißt, auch für Arzneimittel, Tierarzneimittel und Pflanzenschutzmittel.
Die bisherige Regulierung gefährlicher Stoffe in Europa erfaßt nur einen Bruchteil der Stoffe, die der Nordsee potentiell gefährlich werden können. Für die meisten Stoffe sind Daten über Marktmengen, Anwendungsmuster und Einträge in die Umwelt nicht verfügbar. Messdaten aus der Meeresumwelt beziehen sich fast ausschließlich auf eine Handvoll gefährlicher Stoffe, die seit drei Jahrzehnten als Problem bekannt sind (DDT, PCB, Lindan) und können daher auch kaum Anhaltspunkte geben für die gegenwärtige Belastungssituation. In der Konsequenz bedeutet dies gegenwärtig einen regelrechten "Blindflug" bei der Umsetzung des Esbjerg Zieles im Hinblick auf den heutigen Chemikalienmarkt, es ist nicht einmal eindeutig, ob wir uns dem Ziel nähern oder uns weiter von ihm entfernen. Eine schnelle und nachhaltige Verbesserung der Informationslage ist daher eine vordringliche Aufgabe.
Zudem haben es die Umweltminister der Nordseeanrainerstaaten bislang versäumt, auf nationaler Regierungsebene die zuständigen Fachministerien auf das Esbjerg Ziel zu verpflichten und die notwendigen admistrativen Arbeitsprozesse einzuleiten. Nationale Umsetzungsprogramme fehlen bislang. Ohne eine veränderte Pestizid- und Argrapolitik (Landwirtschaft), ohne ökonomische Instrumente um die Substitution gefährlicher Stoffe in der Wirtschaft zu fördern (Wirtschafts- , Finanz- und Forschungsressort) und ohne Einbeziehung der für die Chemie- und Pharmapolitik zuständigen Ressorts (Stoffbewertung und Kennzeichnung) kann das Esbjerg Ziel nicht erreicht werden. Auch die EU Kommission hat, obwohl auch sie sich auf das Esbjerg Ziel verpflichtet hat, bislang keine Vorschläge zur Verankerung des Zieles in den relevanten Bereichen des EU Rechtes gemacht.
Die Umsetzung des langfristigen Zieles erfordert regelmäßige Erfolgsüberprüfung anhand messbarer Zwischen-ziele und Indikatoren. Derzeit sind die Umweltminister der Nordseeanrainerstaaten kaum in der Lage, den bisherigen Fortschritt anhand nachvollziehbarer und konsistenter Indikatoren zu dokumentieren und zu bewerten. Die Umweltminister sind aufgefordert hier zügig Transparenz zu schaffen und ihre eigene Arbeit für Dritte bewertbar zu machen.
Aus der skizzierten Bilanz ergeben sich als konkrete Forderungen an die TeilnehmerInnen der 5. INK:
- Das Esbjerg Ziel muss in der neuen EU Chemikalienpolitik und bei der Revision der Pestizidrichtlinie angemessen verankert werden.
- Die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie muss so erfolgen, dass der Eintrag aller gefährlichen Stoffe in die Oberflächengewässer bis 2020 so weit reduziert wird, dass sie in den Küstengewässern nicht mehr nachweisbar sind.
- Es müssen zügig nationale Pestizidreduktionsprogramme aufgestellt und es muss dafür Sorge getragen werden, dass auf EU Ebene ein rechtlicher Rahmen hierfür geschaffen wird.
- Damit das Substitutionsprinzip durch die Wirtschaftsakteure umgesetzt werden kann, müssen entsprechende Bedingungen geschaffen werden, z.B. durch Forschungs- und Entwicklungs-förderung, Verbesserung des Informationszugangs, regulativen Druck, Unterstützung von Brancheninitiativen.
- Auf Regierungsebene und in der Öffentlichkeit muss dafür geworben werden, dass die Mengen und die Anwendungsbreite synthetischer Chemikalien insgesamt vermindert werden. Das heißt: Das Substitutionsprinzip muss in allen INK-Ländern so umgesetzt werden, dass systematisch nach nicht-chemischen Alternativen gesucht wird.
Offshore-Tätigkeiten
Das Problem der Offshore Öl-und Gasplattformen wurde aus Zeitgründen in der AG nicht bearbeitet, welches kein Ausdruck seiner Wichtigkeit sein soll.
Der Schwerpunkt der AG lag bei der Windoffshore Problematik.
Naturschutz
Hier wurde in vielerlei Hinsicht der Mangel an Daten festgestellt. Vogelflugkorridore konnten bislang - teils aus methodischen Gründen - nicht exakt bestimmt werden. Über die Flugkorridore von Fledermäusen ist bislang überhaupt nichts bekannt. Somit ist die Auswirkungen der Windanlagen auf die Vogelwelt nicht einschätzbar.
Gefordert wird daher, für Vogel- und andere Tierarten Zug-, Rast-, Nahrungs- und Überwinterungsgebiete auszusparen.
Sekundärnutzung
Bei dem Bau und der Planung von Windoffshore Anlagen sollen, um andere Gebiete der Nordsee zu entlasten, eine sekundär Nutzung, z.B. durch Green Aquaculture berücksichtigt werden.
Schiffssicherheit
Aus Sicht der Schifffahrt dürften Anlagen im Bereich der Seeschifffahrtsstraßen als zu unsicher angesehen werden. Aus Sicht der Arbeitsgruppe wird eine ausreichende Sicherheit durch Umsetzung folgender Maßnahmen gefordert:
- Ein ausreichender Sicherheitsabstand zu den Verkehrstrennungsgebieten oder anderen Schifffahrtsrouten soll gewärleisten sein
- Lotsenpflicht für Fahrten entlang der Offshore-Windparks
- Doppelhüllenschiffe
- Doppelte Antriebs- und Manovieranlagen für Notfälle
- Vorhaltung zusätzlicher Hochseeschlepper
- Optimierung und ggf. Erweiterung des bestehenden Verkehrsleitsystems
Internationalisierung
Es wird grundsätzlich eine Verpflichtung zur staatenübergreifenden Offenlegung der Daten und Erfahrungen von/mit bestehenden Anlagen gefordert.
Themenübergreifende Forderungen zur Regulierung des Baus von Offshore-Windenergieanlagen
- Erarbeitung einer Gesamtraumplanung für die gesamte Nordsee, mit gemeinsamen Richtlinien und Kriterien. Harmonisierung der Umweltverträglichkeitsprüfungen.
- Vorlage eines Gesamt Energiekonzeptes (Erzeugungs-, Verteilungs-, Verbrauchs- und Einsparkonzept) in dem die Windenergie eingebettet ist
- Verhinderung des Missbrauchs der Windkraft als dezentraler Energiequelle für andere Zwecke (Vorhaltung anderer Energieerzeugungskapazitäten nötig!). Erstellung einer Ökobilanz.
- Ermittlung, Bilanzierung und Bewertung aller Auswirkungen auf den Natur- und Wirtschafts-raum Nordsee. Der Vorsorge vor möglichen Schädigungen der Meeresfauna muss grundsätzlich Vorrang vor der wirtschaftlichen Nutzung von Seegebieten eingeräumt werden, vor allem wenn mögliche Risiken nicht klar bestimmbar sind.
Nährstoffe
Die Einträge von Nährstoffe sind in den vergangenen Jahren nicht ausreichend reduziert worden. So sanken die Einträge in Deutschland nur um etwa 25% statt der von der INK in London 1987 geforderten 50%. Der Versuch, das Ziel der Reduzierung allein über den Ausbau von Kläranlagen zu erreichen, ist fehlgeschlagen. Neben den punktuellen Einleitungen müssen die Nährstoffeinträge über diffuse Quellen verringert werden. Dies ist nicht durch den technischen Ausbau von Kläranlagen möglich, entscheidende Reduzierungen der Stickstoffeinträge müssen in der Landwirtschaft erreicht werden. Einträge von Stickoxiden aus dem Verkehr müssen ebenfalls verringert werden. Die Bedeutung von Aquakulturen für den Stickstoffeintrag in die Nordsee muss noch geklärt werden.
Um dieses Ziel zu erreichen müssen weitere, neue Maßnahmen ergriffen werden.
- Der ökologische Landbau mit seinen weitgehend geschlossenen Stickstoffkreisläufen muss verstärkt gefördert werden. Hierbei müssen auch die regionale Vermarktung und Verarbeitung der Produkte miteinbezogen werden.
- Für Importfuttermittel und mineralische Dünger müssen zusätzliche Abgaben verlangt werden, da diese die Stickstoffbelastung im Einzugsgebiet der Nordsee vergrößern.
- Gülle-Überschüsse in den landwirtschaftlichen Betrieben müssen entsprechend ihres Stickstoffgehaltes mit Abgaben belegt werden.
- Der Ausbau der kommunalen Kläranlagen muss entsprechend der Beschlüsse, der geltenden Gesetze und der europäischen Richtlinien schnellstens fortgesetzt werden.
- Förderung von Entwicklung und Aufbau umweltverträglicher Nah- und Fernverkehrssysteme.
Für alle oben genannten Maßnahmen gilt, dass die Reduzierung von Einleitungen erst viel später ihre Wirkung zeigen. Die Ansprüche an den Zustand der Nordsee müssen dem aktuellen Kenntnisstand entsprechend kontinuierlich angepasst werden.
Küstenzonen-Management
Zur Präambel:
Aufnahme der Bedeutung einer nachhaltigen Weltwirtschaft ( für die Nordseeregion wichtig, um mehr Umschlag, größere Schiffe und Hafenausbau zu verhindern)
Aufnahme der strategischen UVP als Instrument für integrierte Planungen
A) Wir fordern neue Partizipationsstrategien:
1.Sensibilisierung der Bevölkerung durch leicht zugängliche und leicht verständliche Informationen
2. Förderung von partnerschaftlichen Ökoprojekten (z.B. über europäische Partnerstädte)
3. Zwingende Beteiligung der Bevölkerung (inkl. Interessensgruppen) an der Bedarfsfeststellung, Ideenfindungs-, Planungs- und Umsetzungsphase
B) Wir fordern ein europäisches Häfenkonzept:
- unter Nutzung vorhandener Hafenkapazitäten ohne weiteren Ausbau und Neubau
- unter Berücksichtigung von Kooperation
- ohne weitere Flussvertiefungen
- unter Reduzierung von Baggergutmengen
- mit Hinterlandanbindung durch Förderung der Schienenwege
- ohne weiteren Ausbau von Binnenwasserstrassen
Die Schiffe müssen den natürlichen Flußläufen und Küsten angepaßt werden.
C) Wir fordern die Stärkung der regionalen Produktion und Vermarktung unter Schaffung von neuen Arbeitsplätzen.
D) Wir fordern, eine natürliche Dynamik in den Flüssen und in der Nordsee zuzulassen,
- durch Rückdeichung,
- durch Schaffung von Flachwassergebieten,
- zur Verbesserung der Wasserqualität nach ökologischen Kriterien
Schifffahrt
Der normale Schiffsbetrieb und nicht nur spektakuläre Unfälle ist bereits ein weit unterschätzter Umweltfaktor. Es ist an der Zeit, auf See Umwelt- und Sicherheitsstandards einzuführen, die an Land inzwischen selbstverständlich sind.
Die Vision einer sauberen und sicheren Nordsee und eines nachhaltigen Schiffsverkehrs lässt sich nur erreichen, wenn eine Reihe von einzelnen "Bausteinen" umgesetzt wird:
Durchsetzung internationaler Mindest-Standards
Bessere Arbeitsbedingungen und Ausbildung für Seeleute
- Schließen des "kontroll- & vollzugsfreien Raumes" außerhalb der Küstengewässer
- Schließen der "Billigregister" von Staaten, die keine ausreichende Flaggenstaatkontrolle durchführen (können), personelle und materielle Verstärkung der Hafenstaatkontrolle, Verschärfung der Kriterien der Hafenstaatkontrolle
Stärkung der IMO
- Internationales Interesse an Umweltschutz stärken,
- Umweltbewußtes Handeln bei Reedereien einfordern
Ratifizierung aller IMO-Übereinkommen, Umsetzung aller IMO-Regelungen in EU- bzw. nationales Recht, gemeinsamer Druck der EU-Staaten auf IMO (und ILO)
Erhöhung der Schiffssicherheit
- Sichere Beförderung von gefährlichen Gütern,
- Störfall- bzw. "auswirkungsfreier" Schiffsbetrieb (z.B. durch Redundanz von Antriebs- und Ruderanlagen)
Aktionsprogramm der EU: Sicherer Schiffsverkehr
"Schiffe mit Zukunft" bauen
- Umweltverträgliche Schiffe als "Regelschiffe"
- Umweltverträglicher Schiffsbetrieb als "Regelbetrieb"
- Technologietransfer von Land an Bord
Umgehender Bau von "Ökoschiffen" als Prototypen, "Musterschiffe" mit umweltverträglichem Schiffsbetrieb
Verringerung der Wasser-Belastung
- Emissionsfreier Schiffsbetrieb
- Systematisches Schadstoffmonitoring, Biozidfreie Unterwasserschiffs-Anstriche
Verringerung der Abfall-Belastung
- Sauberes Wasser
- Saubere Strände
in dichtes Netz von Entsorgungsanlagen für betriebs- und ladungsbedingte Abfälle, Entsorgungs-Finanzierung über "no-special-fee"-System (kostenlose Annahme von Ölschlamm u.ä.), Nordsee als Sondergebiet nach MARPOL-Annex IV (Abwasser)
Verringerung der Luftbelastung
- Gleicher Treibstoff "auf See" wie "an Land" (kein Schweröl mehr)
Systematisches Schadstoffmonitoring "Luft", EU-Aktivitäten bei IMO und ISO für höhere Treibstoff-qualität, Nordsee als Sondergebiet nach MARPOL-Annex VI (Abgas)
Sichere Verkehrswege
- Küstenferne Schifffahrtswege
- Verkehrsfreie Zonen vor der Küste
Systematisches Verkehrsmonitoring, seewärtige Verlegung der Schifffahrtswege vor den west-, ost- und nordfriesischen Inseln, Einrichtung bzw. Erweiterung der Küstenverkehrszonen, unbedenkliche Sicherheitsabstände zu Offshore-Anlagen.
Verbesserung des Klimaschutz
- Moderate Geschwindigkeit (Fn < 0,20)
- Energieoptimiertes Schiff & energieoptimierter Seetransport
"Ökologisch abgeleitetes" Geschwindigkeitslimit für Seeschiffe, Einbeziehung des Seetransports in den "Kyoto"-Prozess
Einforderung von Verantwortung
- "Verursacher"-Haftung ausweiten - Schwerpunkt: Landbetrieb (Reedereien)
- Haftungsregelungen "schärfer" als OPA`90
Unverzügliche Ratifizierung der vorhandenen Haftungsübereinkommen, z.B. für Schäden durch Bunkeröl, weitergehende Haftungsregelungen für EU-Gewässer einführen (EUr-OPA 2005)
Die Tagung wurde gefördert durch:


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